Digitale Gesellenprüfung im Kfz-Handwerk: Dresden testet die Zukunft

Virtuelle praktische KFZ-Mechatroniker Gesellenprüfung?!

Digitale und virtuelle praktische KFZ-Mechatroniker Gesellenprüfung (Foto: © TUD / Professur für Berufspädagogik)
Digitale und virtuelle praktische KFZ-Mechatroniker Gesellenprüfung (Foto: © TUD / Professur für Berufspädagogik)

Im Kfz-Handwerk hält die Digitalisierung nicht nur Einzug in Fahrzeuge und Werkstätten, sondern nun auch in die Gesellenprüfung. In Dresden wird erstmals ein Teil der praktischen Abschlussprüfung der Kfz-Mechatroniker digital durchgeführt. Ein Modellprojekt, das für Ausbilder, Prüfer und Werkstätten gleichermaßen spannend ist und durchaus das Potenzial hat, die Prüfungslandschaft nachhaltig zu verändern.

Worum geht es bei dem Modellprojekt in Dresden?

Vom 28. Januar bis 2. Februar 2026 absolvieren rund 100 angehende Kfz-Mechatroniker im Haus des Kfz-Gewerbes in Dresden einen Teil ihrer praktischen Gesellenprüfung an einer digitalen Prüfungsstation. Konkret geht es um den Prüfungsbereich Fehlerdiagnostik. Ergänzend zur Arbeit am realen Fahrzeug kommt erstmals eine Computersimulation zum Einsatz, die praxisnahe Fehlerszenarien abbildet.

Entwickelt wurde diese digitale Prüfungsstation von der Professur für Berufspädagogik der Technischen Universität Dresden. Vorausgegangen sind mehrere Monate Erprobung in anderen Prüfungsbezirken der Region sowie die Genehmigung durch den zuständigen Gesellenprüfungsausschuss.

Digitale und virtuelle praktische KFZ-Mechatroniker Gesellenprüfung (Foto: © TUD / Professur für Berufspädagogik)
Digitale und virtuelle praktische KFZ-Mechatroniker Gesellenprüfung (Foto: © TUD / Professur für Berufspädagogik)

Warum braucht es eine digitale Prüfungsstation?

Der Hintergrund ist für viele Werkstätten aus dem Ausbildungsalltag nur allzu bekannt. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Auszubildenden am Ende der Lehrzeit das angestrebte Kompetenzniveau nicht vollständig erreicht. Hinzu kommt ein strukturelles Problem klassischer praktischer Prüfungen. Prüflinge arbeiten häufig an unterschiedlichen Fahrzeugen mit unterschiedlichen Fehlerbildern. Die Vergleichbarkeit der Prüfungsleistungen ist dadurch eingeschränkt.

Die digitale Simulation setzt genau hier an. Alle Prüflinge bearbeiten identische, definierte Störungsbilder. Die Diagnosekompetenz lässt sich so objektiver erfassen und fair vergleichen. Für Prüfer bedeutet das eine höhere Transparenz, für Prüflinge klarere Rahmenbedingungen.

Wie realistisch ist die digitale Fehlerdiagnose?

Nach Angaben der Projektverantwortlichen lassen sich in der Simulation auch komplexe und sicherheitskritische Fehlerszenarien darstellen, die an realen Fahrzeugen im Rahmen einer Prüfung kaum oder nur mit hohem Aufwand umsetzbar wären. Max Hustig, Leiter der Berufsbildung am Haus des Kfz-Gewerbes Dresden, betont den praktischen Nutzen. Die Simulation ermöglicht reproduzierbare und realistische Diagnosesituationen, die den Anforderungen moderner Fahrzeugtechnik entsprechen.

Gerade vor dem Hintergrund von Hochvolttechnik, vernetzten Steuergeräten und immer komplexeren Assistenzsystemen ist das ein entscheidender Punkt. Fehlerbilder, die im Werkstattalltag selten auftreten oder nur schwer provozierbar sind, können gezielt geprüft werden.

Bedeutet das das Ende der praktischen Arbeit am Fahrzeug?

Diese Sorge dürfte vielen Ausbildern und Mechanikern sofort durch den Kopf gehen. Die klare Antwort lautet nein. Die digitale Prüfungsstation ergänzt die praktische Prüfung, ersetzt sie aber nicht. Handwerkliche Fähigkeiten bleiben ein zentraler Bestandteil der Kfz-Ausbildung und werden weiterhin am realen Fahrzeug geprüft.

Die Simulation konzentriert sich auf die Diagnosekompetenz, während klassische Arbeiten wie Messen, Prüfen, Zerlegen und Instandsetzen weiterhin Teil der praktischen Prüfung bleiben. Eine vollständige Digitalisierung aller Prüfungsinhalte ist weder vorgesehen noch sinnvoll.

Welche Vorteile ergeben sich für Prüfer und Werkstätten?

Neben der besseren Vergleichbarkeit bietet das digitale Prüfungsformat auch organisatorische Vorteile. Der Personal- und Materialaufwand für die Prüfungsdurchführung sinkt. Fahrzeuge müssen nicht mehr aufwendig präpariert oder mehrfach mit unterschiedlichen Fehlern versehen werden. Für Prüfungsorganisationen und Innungen ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Parallel zur Prüfungsstation entsteht zudem eine digitale Selbstlernstrecke für Auszubildende. Damit können angehende Kfz-Mechatroniker ihre Diagnosefähigkeiten gezielt trainieren und sich praxisnah auf die Prüfung vorbereiten. Auch das ist ein Aspekt, der langfristig in den Werkstätten ankommen dürfte.

Hat das Dresdner Modellprojekt Signalwirkung?

Dresden übernimmt mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle in der modernen Kfz-Ausbildung. Die entwickelte Computersimulation ist nicht als Insellösung gedacht, sondern soll perspektivisch auch in anderen Prüfungsbezirken in Sachsen und darüber hinaus eingesetzt werden können.

Für das Kfz-Handwerk bedeutet das einen wichtigen Schritt hin zu zeitgemäßen, fairen und technisch aktuellen Prüfungsformaten. Die Fahrzeuge in den Werkstätten sind längst digitaler geworden. Dass nun auch die Gesellenprüfung diesen Weg mitgeht, dürfte viele Praktiker eher beruhigen als beunruhigen.

Foto: © TUD / Professur für Berufspädagogik