Handlungsempfehlung – Klare Regeln nach dem E-Auto-Unfall

Was regelt der neue Leitfaden von VDA und ZDK?

Elektrofahrzeuge sind längst im Werkstattalltag angekommen. Was vielerorts jedoch noch fehlt, sind einheitliche und praxistaugliche Regeln für den Umgang mit verunfallten E-Autos. Genau hier setzt der neue Leitfaden „Klare Regeln nach dem E-Auto-Unfall“ an, der unter Mitwirkung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und weiterer Branchenakteure entstanden ist. Er soll für Sicherheit sorgen, Zuständigkeiten klären und vor allem eines leisten: Verlässlichkeit im Ernstfall.

Was ist das Ziel des Leitfadens?

Der Leitfaden versteht sich nicht als theoretisches Papier, sondern als konkrete Handlungsempfehlung für alle Beteiligten nach einem Unfall mit einem Elektrofahrzeug. Gemeint sind Feuerwehr und Einsatzkräfte ebenso wie Abschleppdienste, Versicherer und insbesondere Kfz-Werkstätten. Ziel ist es, die bislang oft uneinheitliche Praxis zu vereinheitlichen und typische Unsicherheiten zu beseitigen, etwa bei der Frage, wann ein Fahrzeug als sicher gilt, wer es übernehmen darf und unter welchen Bedingungen ein Transport oder eine Einlagerung zulässig ist.

Gerade im Kfz-Handwerk war der Umgang mit verunfallten E-Fahrzeugen bislang häufig von Vorsicht, aber auch von Unklarheit geprägt. Der Leitfaden schafft hier einen gemeinsamen Nenner, auf den sich alle Beteiligten berufen können.

Warum sind E-Autos nach einem Unfall besonders kritisch?

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Verbrenner liegt in der Hochvolt-Batterie. Auch wenn ein Elektrofahrzeug äußerlich nur leicht beschädigt erscheint, kann im Inneren der Batterie eine schwer einschätzbare Gefährdung bestehen. Thermische Reaktionen, zeitverzögerte Schäden oder interne Kurzschlüsse sind Risiken, die sich nicht immer sofort zeigen.

Der Leitfaden macht deutlich, dass genau diese Unsicherheit bisher zu übervorsichtigen, aber auch zu widersprüchlichen Entscheidungen geführt hat. Fahrzeuge wurden teilweise unnötig lange abgesperrt oder vorschnell als Totalschaden behandelt. Gleichzeitig fehlte Werkstätten häufig die rechtliche Absicherung, wenn sie ein verunfalltes E-Auto übernommen haben.

Wie werden Zuständigkeiten neu definiert?

Ein zentraler Punkt des Leitfadens ist die klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten entlang der Prozesskette. Die Feuerwehr bleibt zuständig, solange eine akute Gefahr besteht. Erst wenn diese ausgeschlossen ist, erfolgt die Übergabe an den Abschleppdienst. Ab diesem Moment liegt die Verantwortung beim Transporteur und später bei der Werkstatt.

Für Kfz-Betriebe ist das ein wichtiger Punkt, denn er schafft Klarheit darüber, ab wann ein Fahrzeug als übergabefähig gilt. Gleichzeitig wird betont, dass eine Werkstatt kein Einsatzort ist. Gefährdungsbeurteilungen und weitergehende Maßnahmen erfolgen dort unter fachlich kontrollierten Bedingungen.

Welche Rolle spielt die Werkstatt nach dem Unfall?

Der Leitfaden stärkt ausdrücklich die Rolle der Fachwerkstatt. Er stellt klar, dass die Beurteilung des Hochvolt-Systems und der Batterie grundsätzlich in qualifizierte Hände gehört. Ein Ausbau oder eine detaillierte Analyse der Batterie ist keine Aufgabe für den Unfallort, sondern für entsprechend ausgestattete Betriebe.

Für Werkstätten bedeutet das einerseits Verantwortung, andererseits aber auch Rückendeckung. Wer über geschultes Personal, geeignete Schutzausrüstung und definierte Prozesse verfügt, handelt im Rahmen der Empfehlung regelkonform. Besonders wichtig ist dabei die saubere Dokumentation des Fahrzeugzustands bei Übernahme, um spätere Haftungsfragen nachvollziehbar beantworten zu können.

Wie wird mit beschädigten Hochvolt-Batterien umgegangen?

Der Leitfaden verfolgt einen pragmatischen Ansatz. Nicht jedes verunfallte Elektrofahrzeug wird automatisch als Hochrisikofall eingestuft. Entscheidend ist die fachliche Einschätzung. Liegen keine Anzeichen für eine akute Gefährdung vor, darf das Fahrzeug transportiert und in der Werkstatt weiter untersucht werden.

Gleichzeitig wird anerkannt, dass es Situationen gibt, in denen eine sofortige fachliche Begutachtung nicht möglich ist, etwa außerhalb der Öffnungszeiten. Für diese Fälle beschreibt der Leitfaden klare Rahmenbedingungen, unter denen ein Fahrzeug kurzzeitig abgestellt werden kann, ohne unverhältnismäßige Risiken einzugehen. Auch hier steht nicht maximale Abschottung, sondern kontrollierte Sicherheit im Fokus.

Welche Auswirkungen hat das auf den Werkstattalltag?

Für Kfz-Betriebe bedeutet der Leitfaden vor allem eines: mehr Planungssicherheit. Er fordert keine unrealistischen Investitionen, sondern setzt auf Qualifikation, klare Abläufe und Kommunikation. Wer Hochvolt-geschultes Personal einsetzt, die notwendigen Schutzmaßnahmen kennt und dokumentiert arbeitet, bewegt sich auf der sicheren Seite.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Elektromobilität nicht mehr als Ausnahme behandelt werden kann. Der Umgang mit verunfallten E-Fahrzeugen gehört zunehmend zum Alltag. Der Leitfaden hilft dabei, diese Realität strukturiert und ohne unnötige Angst anzugehen.

Ein wichtiger Schritt für Sicherheit und Klarheit?

Der Leitfaden „Klare Regeln nach dem E-Auto-Unfall“ ist kein Gesetz, aber ein starkes Signal an die Branche. Er bringt Ordnung in ein Thema, das bisher von Unsicherheit geprägt war, und stärkt insbesondere die Rolle der Fachwerkstätten als kompetente Instanz nach dem Unfall. Für das Kfz-Handwerk ist das ein notwendiger Schritt, um Elektromobilität nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch souverän zu beherrschen.

Hier können Sie den „Klare Regeln nach dem E-Auto-Unfall“-Leitfaden herunterladen: kostenloser Download